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Geburtshilfe in der Geschichte - Von der Wehemutter zur Hebamme

Die Geschichte der Geburtshilfe von der Antike bis zur Gegenwart. Hebamme ist einer der ältesten Frauenberufe.

Die Geschichte der Geburtshilfe von der Antike, wobei es hier recht wenige Zeugnisse gibt, bis zur heutigen Zeit. Jahrhundertelang lag die Geburtshilfe in der Hand von heilkundigen Frauen, den Hebammen und Wehemüttern. Heute ist das Hebammenwesen wie auch die Ausbildung zur Hebamme staatlich reglementiert. Hebamme bzw. Geburtshelferin ist einer der ältesten Frauenberufe.

Geburtshilfe in der Antike

Das erste Hebammenlehrbuch wurde im 2. Jahrhundert verfasst. Autor war Soranos in Ephesos. Eins der ältesten Zeugnisse der Hebammenkunst stammte aber aus dem dritten Jahrtausend vor Christus: Eine Tempelmalerei von der Drillingsgeburt der Pharaonenkinder des ägpyptischen Sonnengottes Re. Und auch im Bibel finden die Geburtshelferinnen erwähnung: Und Gott tat den Hebammen Gutes; und das Volk mehrte sich und wurde sehr stark. Und es geschah, weil die Hebammen Gott fürchteten, so machte er ihnen Häuser. (2. Buch Moses in der Tora und im Alten Testament, Erzählung über den Auszug der Israeliten aus Ägypten).
In der Antike war es Brauch, dass nur Frauen Hebammen werden konnten, die selbst schon geboren hatten, aber nicht mehr selbst schwanger werden konnten. So sollte sichergestellt werden, dass Hebemannen jederzeit zur Verfügung standen. Und natürlich auch eigene Geburtserfahrung hatte um überhaupt Geburtshilfe leisten zu können.
Die Sumerer hatten mit Ninmah eine eigene Göttin der Hebammen. Aber auch die Hethitische Mythologie kannte Hebammen-Göttinnen.

Geburtshilfe im Mittelalter

Ende des 11. Jahrhunderts schreibt die Ärztin Trotula von Salerno mehrere Werke, dazu auch ein Lehrbuch über die Geburtshilfe. Bis ins 16. Jahrhundert gilt das Werk der Trotula von Salerno als Standardwerk bei der Geburtshilfe. Ansonsten wurde das Wissen über die Geburtshilfe mündlich weitergegeben.

Im 13. Jahrhundert wurde es üblich, dass Hebammen sich per Eid zu einem christlichen Lebenswandel verpflichteten. Von der Kirche waren Hebammen ab 1310 zur Taufe verpflichtet. Mit dem gleichen Eid verzichteten sie auf magische aber auch auf die Vergabe abtreibender Mittel. Dafür durften sie sowohl Tauf- als auch Sterbesakramente spenden. Gerade zu Beginn der Neuzeit riskierten Hebammen mehr als andere Personen, Opfer der Hexenverfolgung zu werden.

Eine Bezeichnung für Geburtshelferinnen im Mittelalter war auch Weißfrau.

Geburtshilfe Neuzeit

Im 15. Jahrhundert kamen dann die ersten Hebammenordnungen (Regensburg 1452, Ulm 1491) auf. Sie regelten einerseits die Pflichten einer Hebamme andererseits aber auch ihre Entlohnung. Zum selben Zeitpunkt wurden auch die ersten Hebammen durch die städtischen Räte angestellt.

Zu einem ersten Wandel gab es bereits im 16. und 17. Jahrhundert. Immer mehr Ärzte hatten ihr Handwerk studiert und diese fühlten sich nun berufen Hebammen vor ihrer Anstellung auf ihr Wissen zu prüfen. Vielerorts bildeten sich städtische Ärztekollegien, die diese Prüfungen übernahmen.

Erstes Hebammenbuch

So veröffentlichte die französische Hebamme Marie Louise Bourgeois im Jahre 1608 ein Lehrbuch zur Geburtshilfe (Hebammenbuch), das sie gegen ihre (männlichen) Ärztekollegen verteidigen musste. Als ihr dann auch noch eine Patientin am, damals noch nicht namentlich benannten, Kindbettfieber stirbt, muss sich die Hebamme, die den französischen Thronfolger, Ludwig XIII. auf die Welt geholfen hatte, zahlreichen Anfeindungen erwehren. Marie Louise Bourgeois gelingt es mit Berufserfahrung und Energie sich diesen zu erwehren.

Justine Siegemund

Ende des 17. Jahrhunderts bringt dann Justine Siegemund das erste deutsche Lehrbuch für Hebammen heraus. Das Buch der königlich-preußischen Hof-Wehemutter wird zum Standardwerk. Es ist reich bebildert, Kupferstiche zeigen Details des weiblichen Körpers, wie sie in ärztlichen Schriften zu diesem Zeitpunkt noch fehlen.

18. Jahrhundert Hebammen - Ärzte

Bis ins 18. Jahrhundert blieb nicht nur das Kinder kriegen sondern auch das Kindern auf die Welt helfen Frauensache. Bei der Geburtshilfe halfen Frauen, nur in Notfällen wurden Ärzte dazu gerufen. Auch die Ausbildung von Geburtshelferinnen blieb in Frauenhand, die eine Hebamme bildete die andere aus. Wer das Handwerk der Geburtshilfe lernen wollte, half einer erfahrenen Hebamme bei ihrer Tätigkeit.

Erste Entbindungskliniken entstehen

Im 18. Jahrhundert entstanden dann die ersten Entbindungskliniken. Zur gleichen Zeit entstanden die ersten Hebammenschulen, unter anderem an der Berliner Charité. Es war die erste staatliche Hebammenschule Deutschlands. 1751 wurde an der Göttinger Universität eine weitere Schule für angehende Geburtshelferinnen eröffnet und, das war völlig neu, ein Lehrstuhl für Geburtshilfe eingerichtet. Bereits zehn Jahre zuvor war an der Medizinischen Universität in Halle erste Kurse in Geburtshilfe angeboten worden. Im 18. Jahrhundert wurde zudem die Geburtszange erfunden, die wie die anderen Instrumente im Allgemeinen nur von Ärzten benutzt werden konnten und durften.

Entbindungskliniken standen unter der Leitung von Ärzten. Kein Wunder, war es doch eine absolute Ausnahme im 18. Jahrhundert, das Frauen Medizin studieren durften wie Dorothea Christiane Erxleben, die erste studierte Ärztin Deutschlands.

Erste Frauenärztin Deutschlands

1815 wurde Regina Josepha von Siebold als erster Frau in Deutschland die Ehrendoktorwürde der Entbindungskunst (Geburtshilfe) zuerkannt. Ihre Tochter, Charlotte Heidenreich von Siebold sollte als erste studierte und promovierte Frauenärztin in die Geschichte eingehen.

Das Kindbettfieber grasiert

Die meisten Frauen zogen aber weiterhin Hausgeburten mit Hilfe einer erfahrenen Hebamme vor. An Entbindungskliniken wandten sich vor allem arme Frauen aber auch Prostituierte und Ledige. Oder Frauen, bei denen von vorneherein mit Komplikationen gerechnet werden musste, die nicht zu Hause von einer Hebamme gemeistert werden konnten. Den die Entbindungshäusern hatten noch ein großes Problem, wie wichtig die Hygiene bzw. die wirksame Desinfektion war, wurde vielerorts noch unterschätzt und so starben in den Entbindungshäusern weit mehr Mütter im Kindbett am Wochenbettfieber als bei Hausgeburten. Beim traditionellen Ablauf der Entbindung mit Betreuung durch Hebammen und bei Hausgeburten trat das Kindbettfieber bis dahin relativ selten aus. Der erste Arzt, der den Ursachen des Kindbettfiebers erkannte und daraufhin Hygienevorschriften für Ärzte und Krankenhauspersonal einführte, war der ungarische Arzt Ignaz Semmelweis. Vor der Einführung dieser Hygienevorschriften hatte Ignaz Semmelweis beobachten können, dass in der Klinik, in der er arbeitete, in einer Abteilung 36 von 208 Müttern an Kindbettfieber starben.

Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu einer Revolution in der Geburtshilfe. Der Kaiserschnitt unter Narkose war nun möglich. Der Kaiserschnitt selbst war bereits seit der Antike bekannt, konnte aber bis in die Neuzeit hinein nur an der toten Mutter vorgenommen werden, um so eventuell vielleicht noch das Kind zu retten.

Erster Hebammentag

Im Jahre 1890 fand in Berlin der erste Hebammentag statt. An diesem nahmen mehr als 900 Frauen teil. Diskutiert wurde hier allerdings hauptsächlich über das Einkommen. Ab 1950 gehörte in Preußen für Ärzte die Geburtshilfe zum Pflichtfach, seit dem verdienten Hebammen nur noch einen Hungerlohn. Auf dem Hebammentag wurde auch eine gründliche Desinfektion in Kreißsälen und Geburtszimmern gefordert, Hygienevorschriften, wie sie Ignaz Semmelweis vier Jahrzehnte zuvor schon im Kampf gegen das Kindbettfieber gefordert hatte.

20. Jahrhundert

Mitte des 20. Jahrhunderts gibt es einen Wandel. Hausgeburten werden unüblich, Kinder werden nun in Krankenhäusern auf die Welt gebracht. Möglichst viel ärztliches Wissen wurde eine Zeitlang angewandt, um den natürlichen Vorgang der Geburt auf die Wege zu leiten, zu unterstützten, manchmal sogar zu beschleunigen. Nicht immer zum Wohle von Mutter und Kind. Inzwischen gibt es nach einer Phase, in der die natürliche Geburt bevorzugt wurde, den Hang zur sanften Geburt. Geburtshilfe wird nicht mehr als Teilgebiet der Chirurgie angesehen und so wenig ärztliches Wissen wie ohne Gefährdung von Kind und Mutter möglich, soll die Geburt begleiten.

Ehrenzeichen für Hebammen

Im Jahre 1906 stifte Herzog Friedrich II. von Anhalt das Ehrenzeichen für Hebammen. Verliehen wurde dieses Ehrenzeichen Geburtshelferinnen, die 30 Jahre als Hebamme tätig waren und sich dabei nie was zu schulden kommen ließen. Die Inschrift auf dem Kreuz war Für Treue im Beruf.

Hebamme Wortherkunft

Das Wort Hebamme stammt aus dem althochdeutschen Wort Hev(i)anna, was so viel bedeutet wie Ahnin bzw. Großmutter, die das Neugeborene aufhebt (hevan) bzw. hält. Weit verbreitet war auch das Wort Wehemutter.

Hebamme - Entbindungshelfer

War der Beruf der Hebamme traditionell über Jahrhunderte eine Frauendomäne hielt die Gleichberechtigung Ende des 20. Jahrhunderts auch in dieser Berufsgruppe Einzug. So wurde 1987 das Wort Entbindungspfleger für den männlichen Geburtshelfer eingeführt. In Österreich bleibt Hebamme auch für männliche Berufsausübende die im Hebammengesetz festgeschriebene Berufsbezeichnung.

Heute hat die Hebamme neben der Geburtshilfe noch die Aufgaben wie die Schwangerschaftsvorsorge und die Wochenbettbetreuung. Alles Aufgaben, die Hebammen bereits seit Jahrhunderten wahrnahmen.

Lage in Deutschland - Ausbildung zur Hebamme heute

Heute gibt es in Deutschland 58 Hebammenschulen, sie sind jeweils an eine Klinik angeschlossen. Um Hebamme zu werden muss eine Ausbildung von drei Jahren absolviert werden. Die Ausbildung besteht aus einem 1600-stündigen Theorie und einem 3000-stündigen Praxisteil. In der Theorie werden Geburtshilfe, Anatomie, Physiologie und Pädiatrie gelehrt. In der praktischen Hebammenausbildung geht es dann in der Klinik im Kreißsaal, auf der Wochenstation, in der Kinderklinik und im Operationssaal um die Vertiefung des Wissens und die Anwendung. Wer bereits eine Ausbildung als Krankenschwester oder Krankenpfleger hinter sich hat, kann die Ausbildung zur Hebamme in zwei Jahren absolvieren. Am Ende der Hebammenausbildung steht dann ein staatliches Examen.

Wurde früher das Wissen von Hebamme zu Hebamme mündlich weitergegeben, ist das Hebammenwesen wie auch die Hebammenausbildung heute staatlich reglementiert.

Extern: Medizingeschichte

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