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Mathilde Franziska Anneke

Die deutsche Feministin Mathilde Franziska Anneke geht nach der Revolution von 1848 ins Exil in die USA und gilt als eine der führenden Personen der US-amerikanischen Frauenbewegung.

Mathilde Franziska Anneke, geboren am 3. April 1817 In Gut Oberleveringhausen in Hiddinghausen (Sprockhövel, Nordrhein-Westfalen), gestorben am 25. November 1884 in Milwaukee (USA). Deutsche Feministin und Frauenrechtlerin während der Revolution von 1848, Schriftstellerin und Journalistin. Geht nach der Revolution ins Exil und setzt dort ihre Arbeit aktiv fort. Gilt als eine der führenden Personen der US-amerikanischen Frauenbewegung.

Mathilde Franziska Anneke Jugend und erste Heirat

Mathilde war die älteste Tochter einer wohlhabenden Bergwerksbesitzer-Familie. Ihre Bildung erhielt sie durch Hauslehrer, ihre Erziehung war konservativ-katholisch. Die soll, so beschreiben sie Zeitgenossen, gebildet, hübsch und schon als junge Frau eine imposante Erscheinung gewesen sein. Mathilde maß 1,80 Meter.

Als Mathilde 17 Jahre alt ist, gerät ihr Vater in finanzielle Schwierigkeiten, er hatte sich mit Eisenbahnaktien verspekuliert. Kurze Zeit danach hält dann der Mülheimer Weinhändler Alfred Philipp Ferdinand von Tabouillot um ihre Hand ein. Die Vernunftehe wird geschlossen, als Mathilde 19 Jahre alt ist. Ihr Ehemann übernimmt die Schulden der Eltern.

Mathilde Franziska Anneke wagt die Scheidung

Am 27. November 1837 wird die gemeinsame Tochter Fanny (Johanna) geboren. Kurz darauf, im Dezember 1837 verlässt Mathilde ihren gewalttätigen Ehemann zusammen mit ihrer Tochter und flüchtet sich zu ihren Eltern. Sie reicht die Scheidung ein. Der Scheidungsprozess dauert von 1838 bis 1841. Der Prozess endet mit einem Teilsieg von Mathilde. Sie wird zwar schuldig gesprochen, darf aber ihren Geburtsnamen wieder annehmen und erhält das Sorgerecht für ihre Tochter. Die damalige Gesellschaft war geschockt. Zwar wurde das Scheidungsrecht bereits 1794 gesetzlich verankert, das eine Frau von ihrem Recht auch Gebrauch machte, war unüblich. Und so musste Mathilde während des Scheidungsprozesses mit gesellschaftlicher Ächtung ebenso fertig werden wie mit wirtschaftlichen Nöten.

Anneke verdient ihren Lebensunterhalt als Schriftstellerin

Nach der Scheidung zieht es Mathilde nach Münster in Westfalen und arbeitet dort als Schriftstellerin für ihren Unterhalt. Als bürgerliche Frau hatte sie zu der damaligen Zeit wenig andere Möglichkeiten, fast alle Berufe waren ihr verwehrt.

In Münster gehört sie bald zum Freundeskreis von Annette von Droste-Hülshoff Sie schreibt Gebetsbücher für Frauen, 1840 veröffentlicht sie einen Gedichtband. Sie arbeitet auch journalistisch, unter anderem für die Kölnische Zeitung und die Augsburger Allgemeine Zeitung. Den wichtigsten liberalen Blättern des Vormärz in Deutschland.

Bruch in ihrer Biographie - die Revolution

1847 - Mathilda Franziska Anneke - Ihr Leben ändert sich

Sie lernt auch ihren späteren Ehemann, Fritz Anneke, kennen. Wegen Verweigerung eines Duells wird dieser 1847 unehrenhaft aus der preußischen Armee entlassen. Am 3. Juni 1847 heiraten Friedrich Anneke und Mathilde. Aus ihr wird Mathilde Franziska Anneke. Das Paar lebt in Köln und wird dort bald zum Mittelpunkt eines kommunistisch-ästhetischen Zirkels aus dem sich später der Kölner Arbeiterverein, der bis dahin größten Arbeiterorganisation, entwickeln sollte. Mathilde lernt auch Karl Marx und Friedrich Engels kennen und veröffentlich ihre Schrift Das Weib im Conflict mit den socialen Verhältnissen. Mathilde Franziska Anneke hatte erkannt, dass der kirchliche Dogmatismus nicht wenig zur Festigung der gesellschaftlichen Vormachtstellung der Männer beitrug. Sie brach mit der Religion. In das katholische Gebetbuch für Frauen, dass sie selbst herausgegeben hatte, zu einer Zeit als sie nach der Scheidung von ihrem ersten Mann Trost in der Religion fand, schreibt sie ihr neues Motto: Von den Göttern, die der Mensch in seiner Not erschuf.

Gründung der Frauen-Zeitung

1848 wird Fritz Anneke von den preußischen Behörden wegen seiner staatsgefährdenden Agitation verhaftet. Mathilde gründet in Köln die Neue Kölnische Zeitung. Die erste Ausgabe erscheint am 10. September, wird aber bald Opfer der Zensur. Sie versucht die Zeitung kurzerhand unter dem Namen Frauen-Zeitung weiterzuführen. Der Deckmantel fliegt bald aus, schon nach der dritten Nummer wird die Frauen-Zeitung beschlagnahmt. Dabei hatte Karl Marx vor seiner Ausweisung aus Köln, den Lesern seiner nun eingestellten Neuen Rheinischen Zeitung die Lektüre der Anneke-Publikation zuvor empfohlen.

Im Juli 1848 bringt Mathilde Franziska ihren Sohn Fritz zur Welt. Im Dezember wird ihr Ehemann in einem aufsehenerregenden Prozess in Berlin freigesprochen.

Mathilde Franziska Anneke während der Revolution 1848/49

Im Frühjahr 1849 beteiligte sich Fritz Anneke nach seiner Haftentlassung an den letzten revolutionären Erhebungen in der Pfalz. Mathilde begleitete ihn auf die Schlachtfelder und stand ihrem Mann, der die Artillerie der Pfälzischen Volkswehr befehligte, als Ordonanz und Kurier zur Seite. Karikaturen verspotteten sie als Mannweib. Die Annekes werden, gemeinsam mit Friedrich Engels, Wilhelm Liebknecht und Gustav Struve von der badischen Revolutionsregierung kurzzeitig festgenommen. Sie lehnen einen Kompromiss mit den anrückenden Preußen ab. Am 23. Juli 1849 nehmen preußische Truppen die Festung Rastatt ein, das Ehepaar Anneke flieht über Straßburg in die Schweiz.

Emigration in die USA

Nach dem gescheiterten Kampf um die Reichsverfassung emigriert das Ehepaar Anneke dann in die USA, sie landen im November 1849 in New York. Mit ihnen wählen viele Achtundvierziger diesen Weg. In den USA setzen sich die beiden sofort neue Ziele. Im August 1850 wird ihr Sohn Percy Shelley Anneke geboren. Im Jahr darauf holt Mathilde Franzsika ihre Mutter und zwei Schwestern in die USA.

Ehepaar Anneke in den USA

Mathilda Franziska Annika gibt ihn den Staaten eine Deutsche Frauen-Zeitung heraus. Es ist die erste von einer Frau in eigener Regie auf amerikanischen Boden publizierte feministische Zeitung, ein radikales Blatt ganz im Dienst der Gleichberechtigung. Die erste Ausgabe erscheint am 1. April 1852.

Engagement für die amerikanische Frauenbewegung

Anneke engagierte sich auch in der amerikanischen Frauenrechtsbewegung und knüpfte freundschaftliche Kontakte zu den radikalen amerikanischen Kämpferinnen Elizabeth Stanton und Susan Anthony. Anneke hält aber nicht flammende Reden gegen die Ungleichheit der Geschlechter, am Vorabend des Amerikanischen Bürgerkriegs (1861-1865) agiert sie auch gegen die Sklaverei und unterstützt die Abolitionisten.

1855 werden die Zwillinge Herta und Irla geboren. 1858 sterben Irla und Fritz während einer Pockenepidemie, ihr Vater hatte sich geweigert, mit der Familie an einer Impfung teilzunehmen.

Es folgt die Rückkehr nach Europa. Zunächst reist Fritz Anneke ab, seine Ehefrau folgt ihm 1860, zu diesem Zeitpunkt war sie bereits schwer leberkrank. Fritz Anneke kehrt im Jahr darauf in die USA zurück. Das Ehepaar trennt sich, lässt sich aber nie offiziell scheiden. Bis zu ihrer Rückkehr im Sommer 1865 in die USA arbeitete Anneke in Europa als Journalistin.

Gründung einer Mädchenschule

Im Jahr ihrer Rückkehr gründet Anneke gemeinsam mit ihrer Freundin Cecilia Kapp eine Töchterschule, das Milwaukee-Töchter-Institut. Bis zu ihrem Tod leitete Anneke diese Mädchenschule, 18 Jahre war diese insgesamt in Betrieb.

Engagement in der amerikanischen Frauenrechtsbewegung

1869/70 wurde sie in der fortschrittlichen feministischen National Woman Suffrage Association Vizepräsidentin für Wisconsin. Anneke war eine der Mitbegründerinnen dieser Vereinigungen gewesen.

Ihr Mann Fritz Anneke stirbt im Dezember 1872 in Chicago. Im Juli 1876 erleidet Mathilda Franziska Annika einen Unfall, ihre rechte Hand ist nun gelähmt, sie muss fortan diktieren. Im Jahr darauf stirbt ihre älteste Tochter Fanny.

Letzter Auftritt und Tod von Mathilda Franziska Anneke

Ihren letzten Auftritt hatte Mathilda Franziska am 5. Juni 1880. Sie hält eine vielbeachtete Rede beim Frauenkongress in Milwaukee.

Vier Jahre später stirbt sie im Alter von 67 Jahren in Milwaukee. Bei den Feierlichkeiten der Beerdigung hielt Charles Hermann Boppe eine ergreifende Grabrede. Ihr Grab befindet sich im Forest Home Cemetery, Sektion 15, Block 3, Lot 2.

Frauen der deutschen Geschichte

Mathilde Franziska AnnekeAm 10. November 1988 ehrte die Deutsche Bundespost Mathilda Franziska Anneke mit einer Briefmarke in der Serie Frauen der deutschen Geschichte. Ihr Porträt schmückt die 240 Pfennig Marke. Weitere Ehrungen sind die Bennenungen von Straßen nach der Frauenrechtlerin wie in Köln-Ossendorf, Münster, Offenburg, in ihrer Geburtsstadt Sprockhövel, Viernheim oder Wesel. Am Kölner Rathausturm wird zu ihren Ehren eine Skulptur errichtet.

Mathilda Franziska Anneke und die amerikanische Frauenbewegung

In der Geschichte der amerikanischen Frauenbewegung hat sie einen Ehrenplatz erhalten. In Deutschland bezeichnete sie Clara Zetkin als Amazone der Revolution. Vielleicht weil Mathilde die Auffassung vertrat, dass die soziale Frage erst nach der vollen Gleichstellung der Frau zu lösen sei.

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