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Grace O'Malley / Granuaile Mhaol

Grace O'Malley, so der englische Name der irischen Piratin und Clanchefin, lebte zur gleichen Zeit wie Königin Elisabeth I. von England.

Die irische Piratin und Clanchefin Grace O'Malley lebte zwischen 1530 und 1603 zu Zeiten von Königin Elisabeth von England. Grace O'Malley ist die englische Schreibweise ihres Namens der Gráinne Ní Mháille (Granuaile, auch Gráinne Mhaol) gewesen ist.

Grace O'Malley Kindheit und Jugend

Geboren wurde die einzige Tochter des irischen O'Malley-Clans im Jahre 1530 auf Clare Island im Westen Irlands. Ihr Vater war der irische Clanchef Owen Dubhdara (Schwarzeiche) O'Malley und dessen Frau Margaret. Die Piratin, die eine wichtige Person der irischen Geschichte in der frühen Neuzeit war, starb 1603 vermutlich auf Burg Rockfleet. Um ihr Leben wie um ihre Taten als militärische Gegenspielerin der englischen Politik gegenüber Irland im Zeitalter von Königin Elizabeth I. ranken sich zahlreiche Legenden und Geschichten.

Der Clan der O'Malleys lebte an der stürmischen Westküste Irlands nördlich von Galway. Der Clan blickte auf eine lange Tradition als Seefahrerfamilie zurück, man lebte hauptsächlich von Fischfang und Handel und nebenher betrieb man noch ein wenig Piraterie, nichts ungewöhnliches im Irland des 17. Jahrhunderts.

Der Wappenspruch von Owen O'Malley lautete Terra marique potens (Mächtig zu Land und See), das Wappen der Familie zeigt auf goldbebordetem Schild in Silber einen roten Keiler über einem silbernen Viermastholzsegelschiff mit je zwei Rahsegeln an den ersten drei Masten und einem am vierten Mast.

Grace O'Malley wird Seefahrerin - und Piratin

Es gibt Legenden, die erzählen von der Geburt der Gráinne Mhaol Ní Mháille (Granuaile, Grania) auf See. Ob das so war, bleibt im Dunkeln der Geschichte. Fakt ist, dass Granuaile schon als Kind ihre Vorliebe für Schiffe und das Meer entdeckt. Von ihrem Vater erlernt sie das Seefahrerhandwerk. Aber sie lernte auch neben ihrer Muttersprache Gälisch Latein, Französisch, Spanisch und Griechisch. Ausgerechnet Englisch brachte man ihr nicht bei.

1536, Grace O'Malley ist sechs Jahre alt, die zukünftige Königin Elizabeth drei Jahre, lässt sich der englische König Heinrich VIII. vom Parlament zum König von Irland aufrufen. Sein Ziel ist es, die Nachbarinsel zu einer englischen Kolonie zu machen. Bis dahin war nur das Gebiet um Dublin im Machtbereich der Engländer gewesen, in den restlichen Gebieten bestimmten die gälischen Stämme das politische Geschehen. Da diese untereinander sehr zerstritten sind gelingt es ihnen nicht einen gemeinsamen Widerstand gegen die Engländer zu organisieren. Für König Heinrich VIII. ist es daher leicht, seine Machtinteressen in Irland durchzusetzen. Er bietet den irischen Clanführern englische Titel und Privilegien an. Im Gegenzug sollen diese englische Sitten und Gebräuche übernehmen sowie die anglikanische Konfession im katholischen Irland einführen.

Die Familie O'Malley gehört wohl zu den so umgarnten. Der Clan geht auf das Angebot aber nicht ein. Man weigert sich lange, sich den Engländern zu unterwerfen.

Ganuaile heiratet Donald den Schlachtenreichen

1546, Granuaile ist 16 Jahre alt, wird sie mit den benachbarten Clanführer Donal O'Flaherty (auch bekannt als Donal der Schlachtenreiche, auch Donall von den Schlachten, englisch Donald) verheiratet. Das Paar ist äußerst beschäftigt. Es gilt Fehden zu führen und Schiffe zu überfallen, die in Richtung Galway segeln. Mitte des 17. Jahrhunderts war Galway eines der wichtigsten Handelszentren der britischen Inseln. Sitz englischer Macht und Verwaltung. Und für die gälischen Clans, die sich nicht den Engländern unterworfen hat, ein Dorn im Auge. Über dem westlichen Stadttor von Galway soll in großen Buchstaben der Spruch gestanden haben: Vor den wilden O`Flahertys, o Gott, befreie uns. und so wundert es nicht, dass sowohl den O'Flaherty, zu denen Grace O'Malley durch ihre Heirat gehörte, als auch den O'Malleys der Handel in der Stadt verboten gewesen ist. Zudem war der Export von Wolle, das wichtigste Produkt der gälischen Clans, generell verboten. Die englischen Händler wurden durch diese Politik gestärkt, Irland von England abhängig gemacht.

So griffen viele Clans an der irischen Küste auf die Piraterie bzw. Schutzgebührerpressung vorbeifahrender Schiffe zur Sicherung des Lebensunterhalts zurück, so auch Granuaile.

Granualie beließ es aber nicht dabei. Sie reiste auch selbst bis Spanien und Portugal und kaufte dort Weine, Gewürze, Glas, Eisen, Seide und andere Waren, um diese in ihrer Heimat zu verkaufen – natürlich ohne an die Engländer Zoll zu bezahlen.

Granuaile kehrt in ihren Heiamtort zurück

Donald wird umgebracht. In einer seiner zahlreichen Fehden wird er von befeindeten Clansleuten erschlagen. Granuaile gelingt es die umkämpfte Festung gegen die Belagerer zunächst zu halten. Schließlich muss sie aber fliehen und es gelingt ihr nicht, das Land, das ihr nun zusteht, in Besitz zu nehmen. Nach gälischem Recht hatte sie nach dem Tod ihres Mannes Donal einen Anspruch auf ein Drittel seines Besitzes.

Granuaile kehrt in ihre Heimat zurück. Zusammen mit ihren drei Kindern, Eoghan (Owen), Maor (Murrough) und Margaret, richtet sie sich mit ihren Gefolgsleuten auf der Inselfestung von Clare Ireland ein um von dort die Familiengeschäfte weiter zu führen.

Elizabeth wird Königin von England

In England hat inzwischen Königin Elizabeth I. den Thron bestiegen. Die Königin setzt noch rigoroser als ihre Vorgänger die Kolonialpolitik gegenüber Irland durch. Englische Kolonialisten versuchten die irische Kultur, die ihnen als rückständig und minderwertig galt, durch die englische zu ersetzen. In Irland herrschten zu dieser Zeit noch viele Sitten und Gebräuche aus der Zeit, als die Insel noch nicht katholisch war. Zum Beispiel war die rechtliche Stellung der Frau keineswegs schlecht. Wenn etwa eine Frau einen Mann nach gälischen Recht heiratete, war sie ihm in der Ehe gleichgestellt. Die Ehe galt zunächst für ein Jahr und konnte dann von beiden Seiten ohne Begründung aufgehoben werden.

2. Ehe von Grace O'Malley

Granuaile heiratet ein zweites Mal und macht nach einem Jahr von diesem Recht die Ehe aufzulösen gebrauch. Ihr zweiter Ehemann wird Richard Burke (Richard an Iarainn), ein mächtiger Stammesfürst, auch Richard der Eiserne genannt. Ihm gehörte die Burg Rockfleet Castle an der Clew Brav. Granuaile übernimmt die Burg und so kam es, das Richard eines Tages bei der Rückkehr auf seine Burg von seiner Ehefrau hört, dass diese ihn verlasse und ihr nun Rockfleet Castle gehöre. Da das Probejahr noch nicht vorüber war, konnte Richard Burke der Scheidung nicht viel entgegensetzen.

Scheidung auf gälisch

Der Legende nach hatte diese Scheidung allerdings noch ein Nachspiel. Der katholische Pfarrer soll über diese Scheidung auf gälisch so entsetzt gewesen sein, dass er die Insel fluchtartig verlassen wollte, von Grace O'Malley aber wieder eingefangen wurde. Sie fürchtete, die Leute könnten ob der Flucht des Geistlichen sonst denken, der Teufel sei auf der Insel eingezogen.

Trotz der Scheidung blieb die Beziehung zwischen Granuaile und dem eisernen Richard freundschaftlich. Die beiden unterhielten eine Geschäftsbeziehung und kämpften und plünderten Gemeinsam.

Derweil versuchten die englischen Kolonialisten Irland in den Griff zu bekommen. Immer mehr Engländer wurden neu angesiedelt. Es kam zu blutigen Unruhen und Aufständen. Loyale Engländer bekamen Grundbesitz, den man zuvor rebellischen Iren wegnahm.

Granuaile war zwar Rebellin aber wohl keine Patriotin. So versicherte sie einerseits der englischen Königin ihre Loyalität, dies hinderte sie aber nicht daran weiterhin englische Händler und Grundbesitzer zu berauben.

Gefangennahme von Grace O'Malley

1578 wird Grace O'Malley schließlich gefangen genommen. Nach dem sie das Versprechen abgibt, zukünftig keine Aktionen mehr zu See gegen die Engländer zu unternehmen, wird sie nach 18 Monaten Haft entlassen. Das Versprechen erfüllt sie nicht.

1583 stirbt Richard Burke. Obwohl Grace O'Malley als Geschiedene keinen Anspruch auf seinen Besitz hat, besetzt sie mit ihrem Gefolge das Land und wird Herrin von Rockfleet.

Sir Richard Bingham macht den O'Malleys das Leben schwer

Ungefähr zur gleichen Zeit wird Sir Richard Bingham neuer Statthalter (ab 1584) und zum erbitterten Feind der Grace O'Malley. Er hält die Piratin für eine bemerkenswerte Verräterin und Hegerin aller Revolten der Provinz seit vierzig Jahren und daher bekämpft er sie. Im Gegenzug wird Granuaile auch nicht müde, sich für alle Nadelstiche, die der Statthalter ihr zufügt, zu rächen. Auf die Clanführerin der O'Malleys wurde ein Kopfgeld ausgesetzt.

1593 wird Granuaile von den Leuten Binghams verhaftet. Sie landet im Kerker. Richard Bingham nimmt ihr Besitz an sich und eigentlich sollte sie am Galgen enden, doch dann wird sie freigelassen als Geisel gegen ihren Schwiegersohn, Richard Teufelskralle. Oder ihr gelang die Flucht auf höchst rätselhafte Umstände. Grace O'Malley ist allerdings verarmt und machtlos als sie das Gefängnis verlässt.

Grace O'Malley schreibt Königin Elizabeth

Im gleichen Jahr schreibt die Piratin einen Brief an die Clanführerin der Tudors in England, Königin Elizabeth I. Sie bietet um Protektion und um die Freilassung von Richard Teufelskralle und ihres von Bingham verhafteten Sohn Tibbot. In dem Brief rechtfertigt sie ihre Seeattacken gegen die Engländer als von der englischen Verwaltung heraufbeschworene Notwendigkeiten und die einzige Möglichkeit, den Lebensunterhalt zu sichern.

Treffen zwischen Königin und Irin

Königin Elizabeth gewährt Granuaille eine Audienz. Und um die Begegnung zwischen der irischen Clanführerin und der englischen Königin ranken sich natürlich zahlreiche Legenden. Legenden hin oder her. Grace O'Malley macht bei Elisabeth einen guten Eindruck. In keinster Weise zeigt sie sich unterwürfig, ist sie doch selbst auch eine Königin. Unterhalten haben sich Elizabeth und Granuaille der Geschichte nach auf Latein, denn die Irin sprach kein Englisch, die englische Königin kein Gälisch.

Sie erreicht die Freilassung ihres Sohnes Tibbot Burk (auch Theobald von den Schiffen) und die ihres Schwiegersohnes Richard Teufelskralle. Dazu erhält die Irin einen Freibrief. Ihr ist es nun erlaubt ihre Tätigkeiten zu Wasser und zu Land weiterzuführen – allerdings unter englischer Flagge.

Tod von Grace O'Malley

1603 (manche Quellen gehen von 1599 aus) sterben sowohl Gráinne Ní Mháille als auch Königin Elizabeth. Wo genaue die Piratin starb ist ungewiss. Man vermutet aber auf der Burg Rockfleet. Rockfleet Castle ist bis heute erhalten. Ihr Sohn Tibbot aus zweiter Ehe lebt noch bis 1629, er wird ermordet. Sein Grab befindet sich noch heute in der Abtei Ballintober in der Grafschaft Mayo.

Heute erinnert in Louisburgh (Grafschaft Mayo) ein Museum an Gráinne.

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