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Maria Christina von Österreich, Königin von Spanien

Maria Christina von Habsburg war zunächst Königin von Spanien durch ihre Ehe mit König Alfons XII und nach dessen Tod dann Königin als Regentin für ihren Sohn König Alfons XIII. Ihre Macht als Königin nutzte sie, die Krise, die Spanien schon zu ihrer Regentschaft erfasste, konnte sie aber nicht abwenden.

Erzherzogin Maria Christina von Österreich war die zweite Ehefrau des spanischen König Alfonso XII. Nach dessen Tod übernahm María Cristina de Habsburgo-Lorena, so ihr Name in Spanien, die Regentschaft für ihren Sohn, Alfonso XIII. Zum Zeitpunkt des Todes ihres Ehemannes war dieser Sohn noch gar nicht geboren, er kam erst ein halbes Jahr nach dem Tod seines Vaters auf die Welt.

Sie war also zunächst Königin durch ihre Ehe mit Alfons XII. und dann Königin als Regentin für ihren Sohn, Alfons XIII.

Jugend und Familie Maria Christina von Österreich

Maria Christina war am 21. Juli 1958 auf Groß Seelowitz in Südmähren geboren worden. Ihr Vater war Erzherzog Karl Ferdinand, ihre Mutter Elisabeth Franziska Maria von Österreich. Sie hatte mehrere Geschwister, zwei starben kurz nach der Geburt, drei Brüder brachten es im Ersten Weltkrieg zu österreichische Generäle.

Königin Maria Christina von Spanien
Königin Maria Christina von Spanien
Ihre Jugend verbrachte Maria Christina in Wien am Hof von Kaiser Franz Joseph I., ihrem Onkel. Ihre Erziehung war katholisch geprägt. Die Erzherzogin galt als sehr gebildet.

Ihren späteren Ehemann Alfonso, den Sohn der spanischen Königin Isabella II. lernte Maria Christina in Wien kennen. Allerdings ging Alfonso zunächst eine echte Liebesheirat mit seiner Kusine Maria de las Mercedes d'Orléans-Montpensier ein.

Da sich die Hoffnungen auf eine Ehe mit Alfonso ja zunächst nicht zu erfüllen schien, übernahm die Erzherzogin schließlich im Oktober 1878 das ehrenvolle Amt einer Äbtissin eines adligen Damenstifts auf dem Hradschin in Prag. Nonne wurde die Prinzessin allerdings nicht.

Nach nur sechs Monaten Ehe mit König Alfons XII. von Spanien starb seine Ehefrau Maria de las Mercedes d'Orleans-Montpensier im Juni 1878, zwei Tage nach ihrem 18. Geburtstag kurz nach den Flitterwochen an Tuberkulose.

Der König stand aber in der Pflicht. Zwar hatte er Maria de las Mercedes sehr geliebt, aber als König hatte er die Pflicht für einen Thronfolger zu sorgen. Ohne viel Rücksicht auf seine Trauer zu nehmen, wurde der junge Alfons direkt wieder auf den Ehemarkt geschickt.

Seine erste Frau hatte der spanische König noch gegen die Widerstände unter anderem seiner Mutter durchsetzen können. Seine zweite Ehefrau durfte Alfons nicht mehr selbst aussuchen. Vom konservativen Staatsmann Antonio Cánovas del Castillo war ihm Maria Christina als neue Braut ausgesucht worden. Im Sommer 1879 gab es ein Treffen der beiden. Alfons war bei diesem Treffen in der Nähe von Bordeaux gleich zweifach in Trauer. Einmal immer noch um seine geliebte erste Ehefrau Maria de las Mercedes und kurz zuvor war seine Schwester Maria de Pilar verstorben. In seine Braut verliebte er sich nicht, allerdings soll er die Mutter, Elisabeth Franziska Maria von Österreich, wesentlich attraktiver gefunden haben. Allerdings beugte sich der junge König der Staatsräson und nahm die 21jährige Maria Christina zu seiner zweiten Gemahlin. Von ihrem Onkel, Kaiser Franz Joseph I., erhielt diese auch eine Mitgift.

Die Hochzeit der beiden fand am 29. November 1879 im Palacio Real in Madrid statt.

Ruhig war das Leben der beiden nicht. 1878 hatte es einen gescheiterten Attentatsversuch auf König Alfons XII. gegeben und 1879 versuchte ein galizischer Anarchist mit Schüssen den König und Maria Christina zu erschießen. Auch dieses Attentat gelang nicht.

Maria Christina hielt sich nach ihrer Heirat aus der Politik weitgehend raus. Sie liebte ihren Mann wohl sehr, allerdings liebte dieser sie nicht zurück. Und so musste sie mit seiner oftmaligen Untreue leben und ihre Eifersucht zügeln. So unterhielt Alfons XII. eine Liaison zu einer italienischen und zu einer spanischen Opernsängerin. Auch uneheliche Kinder entsprangen diesen Nebenbeziehungen. Drei legitime Kinder gab es mit Maria Christina.

Tod von König Alfons XII.

Schon seine erste Ehefrau Maria de las Mercedes war an der Tuberkulose gestorben, das Schicksal ereilte auch Alfons XII. Im Alter von 27 Jahren, nach sechs Jahren Ehe mit Königin Maria Christina, nach dem diese zwei Kinder geboren hatte und mit dem dritten Schwanger war, starb er an dieser Krankheit am 25. November 1885. Maria Christina war nun eine schwangere Witwe. Der damaligen spanischen Verfassung folgend übernahm sie die Regentschaft für ihre älteste Tochter Maria de las Mercedes. Obwohl Ausländerin setzte sie sich in der Frage der Regentschaft gegen andere Mitglieder des spanischen Königshaus durch.

Am 17. Mai 1886 kam in Madrid, knapp sechs Monate nach dem Tod seines Vaters, König Alfons XIII. von Spanien zur Welt. Kurz nach seiner Geburt wurde er zum spanischen König ausgerufen. Seine Mutter, Königin Maria Christina, blieb Regentin. Alfons Ferdinand Maria ist der einzige in der Geschichte Spaniens, der schon als König zur Welt kam.

Regentschaft Königin Maria Christina

Königin Maria Christina schwört auf die spanische Verfassung. An der Seite ihre Tochter Maria de las Mercedes.
Königin Maria Christina schwört auf die spanische Verfassung.
Heute hat der König in Spanien vor allem repräsentative Aufgaben. Als Königin Maria Christina die Regentschaft erst für ihre Tochter, dann für ihren Sohn übernimmt, war das in Spanien noch ganz anders. Die Verfassung von 1876 sah vor, dass der König bzw. die Regentin das Recht besaß, die Legislative (Gesetzgebende Gewalt) gemeinsam mit den Cortes (Ständeversammlung) auszuüben. Zugleich saß die Regentin auch am längeren Hebel, sie hatte die Macht die Ständeversammlung einzuberufen aber auch abzulösen. Am 30. Dezember 1885, einen guten Monat nach dem Tod von König Alfons XII. Wurde die Regentin Maria Christina dann in einer gemeinsamen Sitzung des Senats und des Kongress, die Cortes war ein Zweikammerparlament, vereidigt. Ein Vorgang der sich mit Alfons XIII. im Mai 1902 beim Erreichen seiner Volljährigkeit wiederholen würde.

Wenn es nur nach der Cortes und den politischen Kräften dort gegangen wäre, wäre Spanien ein äußerst stabiler Staat gewesen. So hatten sich die Führer der beiden großen Gruppierungen, der Liberalen und der Konservativen nach dem Tod von König Alfons XII auf den Pacto del Pardo geeinigt. Man hatte schließlich einen Waisen zum König und eine Witwe als Regentin. Man wolle abwechselnd regieren und verpflichtete sich dabei keine Gesetze zu beschließen, die bei einem Machtwechsel sofort wieder aufgehoben werden würden. Mit Demokratie hatte dies wenig zu tun, aber so wollte man für Stabilität sorgen. Schließlich wurde das Prinzip der Abwechslung auch durch Manipulation erreicht.

Auf der ganz großen Ebene herrschte wohl auch Ruhe. So wurden Putschversuche vorgebeugt und Maria Christina gelang sogar ein Abkommen mit dem karlistischen Thronprätendenten Don Carlos (VII.). Aber es war keine echte Ruhe.

Maria Christina versuchte ein liberales Reformprogramm durchzusetzen. Die Verwaltung und auch das Justizwesen wurden dabei zentralisiert. In Spanien wurden auch die Geschworenengerichte wiedereingeführt. Dabei wurde auch ein Vereins- und Versammlungsrecht geschaffen, dass die Grundlage für legale Gewerkschaften bildete. Es gab ab 1889 ein Bürgerliches Gesetzbuch und im Jahr 1890 wurde allen spanischen Männern über 25 Jahren das Wahlrecht eingeräumt.

Bei allen Reformen und allen Versuchen, blieb die Lage in Spanien nicht Konfliktfrei. So gab es im Baskenland wie auch in Katalonien Widerstand gegen die eine oder andere Reform. Es bildete sich auch eine radikale, separatistische Bewegung. Auch der Anarchismus hatte großen Zulauf, insbesondere in Katalonien. Ein Anarchist ermordete schließlich am 8. August 1897 Ministerpräsident Antonio Cánovas del Castillo aus dem konservativen Lager. Es gab weitere Attentate und Attentatsversuche.

Die Regentin versuchte gegen zusteuern. Um den Anarchismus den Boden in Spanien zu entziehen, sollte der soziale Standard gehoben werden und das Bildungssystem gefördert werden. Viel Geld hatte man allerdings nicht und so blieb manches im Ansatz stecken. Dennoch erlebte Spanien eine kulturelle Blütezeit.

Ende des 19. Jahrhunderts kam es zum Krieg mit den USA und mit Kuba ging die letzte überseeische Kolonie verloren. Für Spanien eine Katastrophe. Das es dann auch noch 1899 zu den Deutsch-Spanischen Vertrag kam und Deutschland gegen eine Zahlung von 17 Millionen Mark in den Besitz der Karolinen und Marianen kam, entsetze zusätzlich. Spanien hatte seine Großmachtstellung endgültig eingebüßt. Maria Christina und die Monarchie übersteht dies zwar, es gibt auch den Versuch eines Aufstandes, der neue Karlistenkrieg scheitert aber schnell.

Insgesamt scheint die Monarchie gefestigt. Allerdings zieht sich die Königin den Unbillen der Bevölkerung zu, als sie Carlos Maria de Bourbon zum Ehemann ihrer ältesten Tochter Maria de las Mercedes auswählt. Dieser war der Sohn von Alfons Maria von Neapel-Sizilien, einem Feldherrn der Karlistenkriege. Die Wahl eines Sohnes eines Karlisten-Feldherrn als Ehemann für die Tochter der Regentin führte zu Unruhen. Die Spanier verstanden die geplante Einheiratung in die Königsfamilie nicht, dennoch setzte Maria Christina die Wahl des Ehemannes durch. Am 14. Februar 1901 wurde in Madrid Hochzeit gefeiert. Der Königspalast wurde dazu abgeriegelt, einen größeren Widerstand an diesem Tag konnte man so erfolgreich klein halten. Eine lange Ehe war Maria de las Mercedes de Borbón nicht vergönnt. 1904 starb sie bei der Geburt ihres dritten Kindes, Isabella Alfonsa.

Maria Christina übergibt die Regentschaft

Im Mai 1902 wird Alfons mit 16 Jahren volljährig. Maria Christina übergibt die Regierung nun ihren Sohn. Sie widmet sich von da an karitativen Tätigkeiten und hält sich auch im Großen und Ganzen an ihr Versprechen, künftig nicht mehr direkt in die Politik einzugreifen. Sie bleibt aber Beraterin von König Alfons XIII. Allerdings hört dieser nicht auf seine Mutter als es um die Brautwahl ging, er heiratet 1906 Victoria Eugénie von Battenberg.

Zu Zeit ihrer Regentschaft hatte Maria Christina Spanien noch irgendwie zusammengehalten. Sie hatte ihre Rechte, die die spanische Verfassung für König bzw. Regentin vorsahen, klug genutzt. Nun musste sie miterleben, wie Spanien unter der Regierung ihres Sohnes in eine tiefe Krise rutschte. Im 1. Weltkrieg bleibt Spanien neutral, auch ein Verdienst der Königin. 1918 bietet sie ihrer Familie nach dem Ende des habsburgischen Kaiserreichs eine Heimstatt. Und so kommt die verbannte Kaiserin Zita mit ihren Kindern nach Spanien. Als im Jahr 1923 Miguel Primo de Rivera nach einem unblutigen Putsch eine Militärdiktatur errichtet, wird diese von der Königin abgelehnt. Ihr Sohn unterstütz den Militärdiktator.

Tod von Königin Maria Christina

Das ihr Sohn das Exil wählt nachdem 1931 in Spanien die 2. Republik ausgerufen wird, erlebt Maria Christina nicht mehr mit. Am 6. Februar 1929 stirbt die ehemalige spanische Regentin an Angina Pectoris, einer Herzerkrankung. Sie ist 71 Jahre alt.

Sonstiges

Als Ausländerin, die die Regentschaft übernommen hatte, versuchte sich Maria Christina auch in die spanische Kultur einzuleben. Dabei mimte sie sogar Interesse für den Stierkampf.
Maria Christina war eine wagemutige Frau. Im Juli 1889 kommt es zu einer königlichen Ballonfahrt in Madrid. Ihre Ingenieure führen in einem Park bei Madrid Experimente mit militärischen Ballons durch. Die Königin kommt dazu und will eine Luftfahrt mitmachen. Ihre Obersthofmeisterin hat zuviel Angst um die Fahrt im Ballon mitzumachen. Aber die Königin traut sich mit einem Adjutanten und mehreren Ingenieuren das Luftgefährt zu besteigen. Von zwei Tauen gehalten und unter dem donnernden Rufen der Offiziere und Soldaten steigt die Königin in die Lüfte und kann aus 350 Metern Höhe schließlich den Ausblick genießen. Der Ballon bekam danach den Namen Maria Christina von Habsburg.


Kinder Königin Maria Christina und König Alfons XII. von Spanien

In der nur kurzen Ehe kamen drei Kinder auf die Welt:
Maria de las Mercedes, benannt nach der geliebten ersten Ehefrau des Königs, geboren 1880, gestorben 1904, verheiratet 1901 mit Carlos Maria de Bourbon, Prinz von Neapel-Sizilien.
Maria Teresa, geboren 1882, gestorben 1912, verheiratet mit Prinz Ferdinand Maria Ludwig von Bayern.
Und der erst nach dem Tod von König Alfons XII. geborene Thronfolger, Alfons XIII. von Spanien. Geboren 1886, gestorben 1941 im Exil in Rom, König von Spanien bis 1931. Verheiratet ab 1906 mit Prinzessin Victoria Eugénie von Battenberg, einer Enkelin der englischen Königin Victoria.

Maria Christina als Mutter

Trotz ihrer politischen Aufgaben nach dem Tod von König Alfons XII. Soll Maria Christina ihre Mutterpflichten vorbildlich erfüllt haben. Anders als Beispielsweise Königin Victoria von England widmete die Regentin der Erziehung ihrer Kinder viel Zeit. So musste auch ihr Sohn viel gepflegt werden, der junge König hatte eine labile Gesundheit.

Lebensdaten

Geboren am 21. Juli 1858 auf Groß Seelowitz in Südmähren. 1878 wird Erzherzogin Maria Christina ohne geweiht zu sein, Äbtissin eines Damenstifts für adlige Frauen. 1879 trifft sie König Alfons XII. Von Spanien wieder, dieser ist inzwischen verwitwet und auf erzwungene Brautsuche. Es kommt im November 1879 zur Hochzeit. 1880 wird die älteste Tochter Maria de las Mercedes geboren, 1882 die zweite Tochter Maria Teresa. Im November 1885 stirbt der erst 27jährige Alfonso an den Folgen der Tuberkulose, Maria Christina wird noch im Dezember Regentin erst für Maria de las Mercedes und im Mai für den dann geborenen König Alfons XIII. Sie bleibt 16 Jahre Regentin von Spanien, dann ist ihr Sohn volljährig. 1929 stirbt Königin Maria Christina, dass ihr Sohn ins Exil muss erlebt sie nicht mehr mit.

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