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Königin Christina von Schweden

Christina von Schweden war eine höchst bemerkenswerte Herrscherin. Sie weigerte sich zu heiraten, verzichtete auf den schwedischen Thron und wechselte dann auch noch ihre Konfession.

Christina von Schweden wurde am 18. Dezember 1626 geboren, sie starb am 19. April 1689 in Rom als Maria Alexandra. Ihren Namen hatte Kristina nach ihrem Übertritt zum Katholizismus geändert. Kristina war die zweite Tochter des schwedischen Königs Gustav II. Adolf (1594-1632) und seiner Ehefrau Maria Elenora von Brandenburg (1599-1654). Ihr Vater starb, als sie fünf Jahre alt war, was Christina als einzig lebendes und legitimes Kind des Königs, zur Königin machte. Die Regierungsgeschäfte übernahm sie im Alter von 18 Jahren.

Christina war vielseitig interessiert, sie beschäftigte sich mit Religion, Philosophie, Mathematik und auch Alchemie. Sie zog verschiedene Wissenschaftler nach Stockholm und machte die Stadt zum Athen des Nordens. Sie selbst war die Minerva des Nordens.

Königin Christina von Schweden
Christina von schweden
Christinas Entscheidung nicht zu heiraten und auf den Thron zu verzichten, sorgte im 17. Jahrhundert für einen Skandal.

Einen Großteil ihres Lebens verbrachte sie als Gast vong leich fünf Päpsten in Rom und so wurde sie, die auch als Symbol der Gegenreformation galt, als eine der wenigen Frauen in der vatikanischen Grotte im Petersdom bestattet.

Leben Christina von Schweden

König Gustav II. Adolf und seine Ehefrau Maria Eleonora von Brandenburg hatten nur zwei gemeinsame Töchter. Die 1623 geborene Christina Augusta, die bereits mit elf Monaten starb und eben Christian, die am 18. Dezember (angeben wird oft auch der 17. Dezember oder eben auch der 7. bzw. 8. Dezember, bei diesen frühen Daten handelt es sich um die Geburtsdaten nach dem julianischen Kalender) 1626 im königlichen Schloss Tre Kronor geboren wurde. Bei der Geburt soll die kleine Kristina so haarig gewesen sein, dass man sie zunächst für einen Jungen gehalten hat. Ihren Vater, den König, störte der Fehler wohl weniger. Er war glücklich und erklärte, sie werde klug, denn sie hätte sie allen zum Narren gehalten.

Kristina, so ihr eigentlicher Name, war damit schon bei ihrer Geburt die Thronfolgerin. Ihr Vater gehörte nicht nur zu den wichtigsten Figuren der schwedischen Geschichte, er war auch im Dreißigjährigen Krieg verwickelt. Sein Eingreifen in den Dreißigjährigen Krieg in Deutschland verhinderte einen Sieg des kaiserlichen Lagers der Habsburger und sicherte indirekt damit die Existenz des deutschen Protestantismus.

Als Gustav II. Adolf bei Lützen 1632 starb, war sein einziges eheliches Kind fünf Jahre alt. Bevor Gustav Adolf Schweden in Richtung Deutschland verlassen hatte, hatte er seiner Tochter das Thronrecht gesichert.

Männliche Erziehung der Königin

Mit fünf Jahren wurde Kristina zur schwedischen Königin. Vier Jahre lang lebte sie dabei noch bei ihrer Mutter Maria Eleonora von Brandenburg, dann wuchs sie bei ihrer Tante Katharina Wasa und deren Mann Johann Kasimir von Pfalz-Zweibrücken auf. Bei diesen lernte sie auch deren Sohn Karl Gustav, ihren Vetter, kennen, man geht davon aus, dass sie mit ihm eine kurze Liebschaft hatte. Ihre männliche Erziehung verdankte Christina einen Wunsch ihres Vaters. Und so wurde sie als Kronprinz ab 1635 auf das Königsamt vorbereitet. Dabei lernte sie auch reiten, jagen, fechten. Allerdings legte die junge Königin wenig Wert auf ihr Äußeres und verbrachte ihre Nächte mit ihren Studien. Während Christina unmündig ist, führt Reichskanzler Axel Oxenstierna (1583-1654) die Regentschaft.

Christina übernimmt die Regierungsgewalt

Im Dezember 1644 wird Christina 18 Jahre alt und sie übernimmt auch die Regierungsgewalt. Mit Unterstützung von Johann Kasimir von Pfalz-Zweibrücken und dessen Söhne befreit sie sich von der Bevormundung durch Oxenstierna. Ihren Jugendfreund Karl Gustav ernennt sie 1647 zum Generalissimus der schwedischen Truppen in Deutschland. Zu dieser Zeit scheint sie einer Heirat mit ihm auch nicht abgeneigt gewesen zu sein.

Christinas Hofhaltung

Ihr prunkvoller Hof gilt als einer der aufwendigsten in Europa. Zwar steigt damit Schwedens anseien, billig ist die Hofhaltung nicht. Daher holt Christina den Finanzspezialisten Johan Palmstruch ins Land. Die Königin unterhielt nicht nur eine Münzen- und Gemäldesammlung, sie kaufte und baute auch Bibliotheken. Bei der Kunst ging sie ungewöhnliche Wege. Im Jahr 1648 erbeutete die schwedische Armee am Ende des Dreißigjährigen Kriegs zahlreiche Kunstgegenstände. Offenbar hatte Christina ihrem Vetter, Pfalzgraf Karl X. Gustav, dem schwedischen Oberbefehlshaber, zuvor einen Brief geschrieben, in dem sie darum bat, die Prager Kunstschätze für die schwedische Krone zu reservieren. In einem späteren Brief wird die Königin deutlicher, kostbare Stücke sollten in Verwahrung genommen werden.

Christina unterstützte aber auch zahlreiche Gelehrte und verkehrte mit diesen. Zugetan war die Königin zudem dem Theater. Sie hatte außerdem eine Hofsängern und unterhielt eine königliche Hofkapelle.

Königin Christina Abdankung

Das die Königin nicht heiratete, dürfte nicht nur in Schweden für Unruhe gesorgt haben. Schon 1650 kam es auch im schwedischen Parlament zu Unruhen. Und 1651 erklärte die Königin sie brauche Ruhe und das Land einen starken Führer. Dabei war Christina erst am 20. Oktober 1650 gekrönt worden. Man versuchte sie zu überreden, ihren Vetter, ihren Freund aus Jugendtagen, zu heiraten. Allerdings lehnte Christina inzwischen eine Heirat ab.

1652 kam Bewegung in die Sache und so wurden im Mai des Jahres Goswin Nickel und Fabio Chigi (später Papst Alexander VII.) darüber informiert, dass Christina zum Katholizismus konvertieren wolle. Zwischenzeitlich hatte Christina ihre Regentschaft zwar akzeptiert, ihrer Umgebung aber im Gegenzug aufgedrückt, nicht mehr nach einer Heirat gefragt zu werden. Ihre Popularität nahm ab.

Zeit zum Regieren nahm sich die Königin inzwischen kaum noch. Ihre Zeit verbrachte sie mit ausländischen Freunden im Festsaal und im Theater. Die Kritik wuchs. Im Februar 1654 informierte Königin Christina erneut den Reichsrat und den schwedischen Reichstag darüber, dass sie die Absicht habe, die Regentschaft niederzulegen und abzudanken. Sie forderte 200.000 Riksdaler pro Jahr. Man bot ihr im Gegenzug schwedische Reichslehen an. Einnahmen würde sie aus verschiedenen Gütern und von verschiedenen Inseln haben, man bot auch an, ihre Schulden zu übernehmen.

Am 16. Juni 1654, Christina war keine 32 Jahre alt, wurde auf dem Reichstag im Schloss Uppsala die Abdankungsurkunde verlesen. Zu ihrem Nachfolger wurde ihr Vetter Karl Gustav von Zweibrücken-Kleeburg. Dieser bestieg den schwedischen Thron als König Karl X. Gustav und regierte bis 1660.

Übertritt zum Katholizismus

Wegen des Nordischen Krieges flüchtete die ehemalige Königin dann unter dem Tarnnamen Graf von Dhona bis nach Antwerpen. Sie konvertierte dann am 24. Dezember 1654 zum Katholizismus, dieser Schritt wurde aber zunächst geheim gehalten. Über verschiedene Orte ging es nach Innsbruck, in der Innsbrucker Hoffkirche vollzog Christina dann am 3. November 1655 den Übertritt zum Katholizismus auch für die Öffentlichkeit.

Christinas Entscheidung nicht zu heiraten

Christina soll bereits im Alter von neun Jahren von der katholischen Religion und auch vom Zölibat beeindruckt gewesen sein. So soll eine Biographie der jungfräulichen Königin Elizabeth I. von England sie beeindruckt haben. In ihrer eigenen Biographie schrieb Christina später, dass sie eine unüberwindliche Abneigung gegen die Ehe habe. 1649 gab Christina dann erneut bekannt, dass sie nicht zu heiraten gedenke. Schon da legte sie sich auf ihren Vetter Karl als Thronfolger fest. Die drei Stände aus Klerus, Bürger und Bauern akzeptierten ihre Entscheidung wohl, ganz anders der Adel. Und so dauerte es noch, bis Christina endgültig auf den Thron verzichten konnte.

Warum trat Christina zum Katholizismus über?

Über die Gründe der Konversion ist viel diskutiert worden. So wird vermutet, dass ihr Übertritt als Protest gegen die strenge protestantische Erziehung zu sehen sei, oder dass sie von der kulturellen Blüte katholischer Länder im Barock fasziniert war oder sogar, dass sich die eigensinnige Ex-Königin als Katholikin in dem von ihr geliebten Italien mit seinem warmen Klima freier würde bewegen können. Für die Kräfte der Gegenreformation Europas war der Übertritt ein Triumph, schließlich war sie die Tochter von Gustav Adolf, dem protestantischen Helden im Dreißigjährigen Krieg.

Leben in Rom

Ende 1655 siedelt Christina, eigentlich seit ihrer Firmung durch Papst Alexander VII. Maria Alexandra, in Rom an. Einer Krone war die ehemalige Königin wohl nicht abgeneigt. So soll sie über die Krone Neapels verhandelt haben, allerdings erfolglos. 1656 befand sich Christina Alexandra, so unterschrieb sie inzwischen ihre Korrespondenz, auf einer Frankreichreise. Hier sollte noch über die Krone Neapels verhandelt werden, der Plan wurde verraten und Christina ließ den vermutlichen Verräter aus ihrem Gefolge, den Oberstallmeister Markgraf Giovanni Monaldeschi, in Schloss Fontainebleau am 10. November 1657 töten. Da sie keine königlichen Rechte mehr besaß, waren die Franzosen ob dieser Tat sehr empört. Christina musste in der Folge als Persona non grata (unerwünschte Person) Frankreich verlassen. In Rom galt sie erst einmal als geächtet.

Besuche in Schweden

Immerhin besuchte Christina ihre alte Heimat, Schweden, noch zwei Mal. So ach im Jahr 1660, da starb ihr Nachfolger auf dem schwedischen Thron, König Karl X. Gustav. Dies machte eine erneute Verhandlung über ihre Abdankung notwendig. Zwischen 1666 und 1668 weilte die Ex-Königin in Hamburg. 1668 soll Christina Interesse an der polnischen Krone gehabt haben.

Danach widmete sie sich der Kunst. Und so eröffnete sie am 8. Januar 1671 das Teatro Tor di Nona in Rom. Dies war etwas ganz besonders. Das Teatro Tor die Nona war nicht nur das erste öffentliche Theater Roms, sondern hier durften erstmals auch Frauen spielen und singen. Das war damals so nicht üblich. Ganz Rom soll davon begeistert gewesen sein, allerdings nutzte dies nichts, das Theater wurde 1676 auf Anweisung des neuen Papstes Innozenz XI. geschlossen.

Katholisch war sie zwar, aber mit dem Beten hatte sie es wohl nicht so. So wurden Christina auch Vorhaltungen gemacht, dass sie zu selten zur Beichte gehen würde. Dem entgegnete sie, dass sie keine Betschwester sei. Und so setzte sie sich auch für religiöse Toleranz ein. Sie verurteilte nicht nur die Verfolgung der Protestanten unter dem französischen König Ludwig XIV. sondern nahm 1686 die Juden in Rom unter ihren persönlichen Schutz.

Tod Christina von Schweden

Christina von Schweden starb am 19. April 1689 in Rom. Bestattet wurde sie in den den vatikanischen Grotten im Petersdom.

Christinas ungewöhnliches Leben

Christinas Leben war an mehreren Stellen ungewöhnlich. Sie war auf Wunsch ihres verstorbenen Vaters wie ein Kronprinz, also wie ein Junge, erzogen worden und so soll sie sich auch gerne einfach und als Mann in Hosen und Stiefeln gekleidet haben. Auch ihre Haare ließ sie wie ein Mann schneiden. Insgesamt muss Christinas Auftreten auch wegen ihrer tiefen Stimme wenig weiblich gewesen sein. Dennoch wäre sie als Königin sicherlich eine gute Partie gewesen, einer Heirat widersetzte sie sich aber höchst erfolgreich. Es wird auch angenommen, dass Christina lesbisch oder bisexuell veranlagt gewesen sein könnte. So soll sie ihrer Hofdame Ebba Sparre (1626-1662) zugeneigt gewesen sein. Auch nach ihrer Abreise aus Schweden soll sie ihr noch leidenschaftliche Briefe an ihre Hofdame geschrieben haben. Es gibt aber auch die Annahme, dass sie eine Liebesbeziehung zu ihrem engsten Vertrauten, Kardinal Decio Azzolino, gehabt haben könnte. Dieser musste sich deswegen wohl mehrfach vor dem Papst verantworten.

Werke

Erhalten sind einige Briefe von Christina, so auch ihre Briefe an Descartes.

Filme über das Leben von Königin Christina

Christina von Schweden Bücher, Filme

The Girl King

Über das Leben der schwedischen Königin Christina gibt es auch einen Historienfilm. Der Film mit dem Titel The Girl King kam 2016 in die Kinos. Bei dem Film handelt es sich um eine packende, unterhaltsame Psycho-Studie. In den Eckdaten hält man sich dabei natürlich an die historischen Vorgaben. So muss Kristina mit 18 Jahren in Schweden die Regierungsgeschäfte übernehmen. Aufgewachsen ist sie wie in Junge, so hat sie auch Unterricht in Reiten und Fechen erhalten. Sie ist ein Freigeist und nutzt ihre Stellung um Stockholm zu einem Zentrum für Künstler und Gelehrte zu machen. Einen Thronfolger arf man allerdings von ihr nicht erwarten und so interessiert sie sich in The Girl King auch für eine Hofdame. Gespielt wird die Königin von Malin Buska, der Film selbst stammt von Mika Kaurismäki.
The Girl King

Weitere Verfilmungen

The Girl King ist nicht die erste Verfilmung des Lebens der schwedischen Königin. So spielte Greta Garbo unter der Regie von Rouben Mamoulian 1933 in Königin Christine die Hauptrolle. Auch Liv Ullmann gab die Königin und zwar in dem Film Christina - Zwischen Thron und Liebe (Großbritannien, 1974, Regie Anthony Harvey). Natürlich gibt es auch Bücher, so schreib Nina Blazon einen Jugendroman über die Geschichte Kristinas (Der Spiegel der Königin) und der Komponist Graf Friedrich Wilhelm von Redern widmete ihr seine einzige Oper: Christina, Königin von Schweden.

Mehr berühmte Frauen in der Geschichte

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