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Florence Nightingale - Pionierin der modernen Krankenpflege

Die Lady with the Lamp, wie Florence Nightingale auch genannt wurde, war eine Pionierin der Krankenpflege. Die Schriftstellerin und Statstikerin lebte im 19. Jahrhundert und leistete bahnbrechende Arbeit.

Florence Nightingale würde 2020 ihren 200. Geburtstag feiern. Grund genug für die WHO (Weltgesundheitsorganisation) das Jahr 2020 zum Jahr der Krankenschwester und Hebammen zu erklären. Zeit mehr über die Pionierin der modernen Krankenpflege zu erfahren. Florence Nightingale lebte zu Zeit von Königin Victoria, zu ihrer Lebenszeit wurde u.a. der Fernsprecher, der Kühlschrank und schließlich das Telefon erfunden und schließlich auch die Glühlampe. Wilhelm Conrad Röntgen entdeckte 1895 die Röntgenstrahlen, ebenfalls ein wichtiger Meilenstein im medizinischen Fortschritt. In den 1840er Jahren wurde erstmals mit Narkose experimentiert.

Florence Nightingale war britische Krankenschwester, Schriftstellerin, Statistikerin. Vorreiterin der modernen professionellen Krankenpflegerin. Schöpferin des ersten konzeptuellen Modells der Krankenpflege.


Florence Nightingale im Kurzporträt

Bekannt war Florecne Nightingale auch als Lady with the Lamp (Dame mit der Lampe). Diesen Namen erhielt die Pionierin der modernen Krankenpflege wegen ihrer mitfühlenden nächtlichen Runden im Lazarett von Skutari während des Krimkriegs mit einer Lampe um nach den Kriegsverletzten zu sehen. Sie ist aber auch Autorin vieler Bücher über medizinischer und pflegerischer Themen (Krankenpflege und Krankenhäuser). Sie trug sehr viel dazu bei, das Bild der Krankenschwestern im 19. Jahrhundert zu verbessern. Diese arbeiteten damals in Krankenhäusern, die kaum mit unseren zu vergleichen sind, galten sie doch als Orte der Erniedrigung, des Schmutzes und der hohen Sterblichkeit. In Krankenhäusern, so hieß es vor Florence Nightingale zumindest in England, arbeiteten nur religiös berufene und verzweifelte. Das Personal galt als schlecht ausgebildet, häufig betrunken und kaum mit heutigen Pflegern und Schwestern vergleichbar.

Frau Nightingale glaubte schon früh, dass sie dazu berufen sei, den Armen zu helfen. Ihren eigenen Angaben zu Folge erhielt sie die Berufung durch Gott. Sie war ein zutiefst gläubiger Mensch.

Florence Nightingale wurde am 12. Mai 1820 in Florenz (Italien) als Tochter wohlhabender Eltern geboren. Ihre Eltern waren eine begüterte und sehr wohlhabende Landadelsfamilie. Damit gehörte Florence zur britischen Oberschicht. Sie erhielt eine ausgezeichnete Allgemeinbildung durch ihren Vater und eignete sich auf den vielen Reisen ihrer Eltern auch Kenntnisse in verschiedenen Fremdsprachen an. Dennoch, eine Berufsausbildung wäre für sie nicht in Frage gekommen. Ehefrau und Mutter wäre der übliche Lebensweg für ein Mädchen bzw. eine junge Frau von ihrem Stande gewesen. Dabei war sie von ihrem Vater umfassend in verschiedenen Sprachen sowie in Mathematik, Geschichte und Philosophie unterrichtet worden. Ihre Kenntnisse in Mathematik galten als ausgezeichnet, sie wird ihre Statistik-Kenntnisse später auf die Epidemiologie und die Gesundheitsstatistik anwenden.

Sie starb über 90 Jahre alt am 13. August 1910 in Mayfair (London). Ihr Wunsch sich der Krankenpflege zu widmen stieß bei ihrer Familie auf Ablehnung. Dennoch setzte sie sich durch und leitete nach eigenen intensiven Studien bald ein Pflegeheim.

Ihre Berufung zur Krankenpflege

Es gibt rührende Geschichten über Florence Nightingale, wie diese ihren Hund gesundgepflegt haben soll und dabei beschloss Krankenpflegerin zu werden. Es gibt allerdings Tagebuchaufzeichnungen der zehnjährigen Florence, die zeigen, dass diese schon sehr früh einen ersten Eindruck von den Lebensbedingungen der Armen erhalten hatete, als diese ihre Mutter und auch ihre Gouvernante bei Krankenbesuchen in umliegenden Dörfern begleitete.

Als Florence noch keine 17 Jahre alt war, im Januar 1837, suchte eine Grippe-Epidemie den Süden Englands heim und Florence gehörte zu denen, die sich um die Versorgung der Kranken kümmerte. Eben in dieser Zeit hält sie in ihrem Tagebuch auch fest, dass Gott zu ihr gesprochen habe und sie in ihren Dienst gerufen habe.

Auf dem Festland wäre Florence Nightingale dann sicherlich in einen Orden eingetreten, der sich der Krankenpflege verschrieben hatte. In England gab es solche Orden nicht.

1844 lernt Florence Nightingale dann den US-amerikanischen Arzt Samuel Gridley Howe kennen. Dieser verbringt als Gast auf seiner Hochzeitsreise einige Zeit mit seiner Frau Julia Ward bei der Familie Nightingale. Samuel Gridley Howe hatte bereits, nach Pariser Vorbild, 1832 eine Blindenschule in Boston gegründet. Viele Biographen werten die Begegnung mit Samuel Howe als den Wendepunkt im Leben der damals erst 24jährigen Florence Nightingale. Diese soll sich, auch wegen der Begegnung mit dem Ehepaar Howe, immer sicherer geworden sein, ihr Leben der Krankenpflege zu widmen. Es soll zwischen den beiden ein Wortwechsel stattgefunden haben, in dem Howe Nightingale darin bestärkte, ihre Berufung zu folgen, auch wenn eine solche als ungewöhnlich bis unpassend empfunden werden könnte.

Es galt noch den Widerstand der Familie zu überwinden, dennoch ging Florence Nightingale nun ihren Weg. Ihre Tante Mai Smith unterstützte sie bei ihrem Eltern und diese stellten schließlich sogar einen Tutor für ihre Studien ein.

1850 lernt sie in Kaiserswerth bei Düsseldorf die durch den evangelischen Theologen Theodor Fliedner gegründete Diakonissenanstalt kennen. In dieser werden Frauen zu Pflegerinnen ausgebildet. Im Jahr 1851 verbringt Nightingale drei Monate dort, um sich in praktischer Pflege zu bilden. Sie lernt dabei nicht nur die Versorgung von Wunden und die Herstellung von Medikamenten. Sie assistiert auch bei Operationen und begleitet Sterbende.

1853 lernte sie dann in Paris weitere Hospitäler kennen und sammelt weitere praktische Erfahrungen als Krankenpflegerin.

Krimkrieg

1853 beginnt der bis 1856 andauernde Krimkrieg gegen Russland. Großbritannien gehört zu den Verbündeten, die das Osmanische Reich unterstützten. Das britische Kriegsministerium setzt Florence Nightingale an die Spitze einer Gruppe von 38 Krankenschwestern. Diese sollen englische Soldaten pflegen und versorgen. Ihr Einsatzgebiet ist das Lazarett von Skutari (heute Üsküdar, Vorort von Istanbul).

Nun begründet sich ihr Ruf. Sie leistet bahnbrechendes in der Organisation dieses Lazarettes und setzt sich für eine verbesserte Hygiene und auch Ernährung der Soldaten ein. Dabei muss sich Florence Nightingale auch mit konservativen Ärzten des Militärs auseinandersetzen. Aber sie hatte auch Probleme, genügend Pflegerinnen zu finden, die überhaupt den Soldaten beistehen wollten. Die Pflegeschule Institution of Nursing Siters, die von Elizabeth Fry gegründet worden war, weigerte sich, Pflegerinnen nach Skutari zu entsenden. Elizabeth Fry ist eigentlich als britische Reformerin des Gefängniswesens bekannt geworden, sie gründete selbst aber 1840 eine Schule für Krankenpflegerinnen. Pflegerinnen erhielt Florence dann von einem katholischen Orden, auch weil an der Krim viele Soldaten kämpften, die eben irische Katholiken waren.

Die Lage in Scutari

In Scutari fanden Florence Nightingale und ihre Pflegerinnen katastrophale Zustände vor. Die Krankenstationen waren nicht nur unbeheizt, sondern auch verdreckt und schlecht belüftet. Es gab nur unzureichende sanitäre Einrichtungen. Statt Toiletten gab es selten geleerte Holzeimer. Wer nicht an Verwundungen starb, siechte wegen Krankheiten vor sich hin. Flöhe und Läuse quälten die kranken und verwundeten Soldaten zusätzlich. Es fehlte an Verbandszeug, aber auch an allem anderen, sogar an Decken und Matratzen.

Florence Nightingale fertigte einen auf Fakten und statistischen Analysen basierenden Bericht an und stellte eine Reihe von Forderungen auf, um die Hygiene und die allgemeine Lage zu verbessern. Sie forderte auch verbesserte Ausbildungen, auch von Militärärzten.

Ihre Forderungen nach Ausstattung und Hygiene fanden bald auch im zivilen Bereich Anwendung.

Rückkehr aus dem Krimkrieg

Nach ihrer Rückkehr aus dem Krimkrieg war Florence Nightingale gesundheitlich angeschlagen. Dies hinderte sie aber nicht eine Reihe von Büchern und Schriften zu veröffentlichen und einen regen Briefwechsel zu führen. Neben den Notes on Hospitals (Bemerkungen über Hospitäler, 1859) war es auch das Notes on nursing (Florence Nightingales Anmerkungen zur Krankenpflege, Die Pflege bei Kranken und Gesunden, 1861). In diesen Büchern vertrat sie die Grundsätze guter Krankenpflege. Grundsätze, die bis heute zumindest noch Vorbildcharakter haben. Es ist die erste weltliche Krankenpflegeschule der Welt. Heute ist diese Schule integraler Bestandteil des King’s College London.

Florence Nightingale sah in der Krankenpflege eine entscheidende Rolle bei der Versorgung der Patienten. Diese basierte auf Ruhe, Ernährung, Licht und Hygiene. Und auf einen von Achtung geprägten Umgang mit den Patienten. Krankenschwestern sollten Patienten aber nicht nur versorgen, sondern auch genau beobachten.

Sie gründete zudem 1860 die Nightingale Training School of Nurses in London. Hier wurde auch sehr viel theoretisches Wissen über die Krankenpflege vermittelt. Die Ausbildung dauerte drei Jahre und sah neben viel Theorie auch einen Praxisteil vor. Es gab zudem auch eine vierjährige Ausbildung. Frauen aus höheren Ständen lernte auch an dieser Schule, sie wurden häufig später Pflegeleiterinnen an großen Krankenhäusern. Auch dort entstanden dann entsprechende Ausbildungsprogramme. Das öffentliche Bild der Krankenschwester erfuhr so einen wichtigen Wandel.

Mit ihren Werken und ihrem Handeln beeinflusste sie wohl auch Jean Henry Dunant (1828-1910), der als Begründer der Rot-Kreuz-Bewegung in die Geschichte einging.

1910 Florence Nightingale stirbt hoch geachtet

Florence Nightingale wird 90 Jahre alt. Sie stirbt nach längerer Krankheit am 13. August 1910 und wird auf dem Friedhof der Church of St. Margret in East-Wellow (London) begraben. Dort befindet sich ihr Grab noch heute.

Florence Nightingale Ehrungen

Sie hatte zahlreiche Ehrungen erhalten und war unter anderem im Jahr 1883 von der britischen Königin Victoria mit dem Royal Red Cross (militärische Auszeichnung, um herausragende Dienste in der militärischen Krankenpflege zu würdigen) ausgezeichnet worden. König Edward VII. nahm sie dann 1907 als erste Frau überhaupt in den Order of Merit auf (1902 gegründet, für herausragende Leistungen beim Militär, in der Wissenschaft, Kunst, Literatur oder auf einem anderen Gebiet).

Sie wird zudem als erste Frau in die britische Royal Statstical Society aufgenommen und wird Ehrenmitglied der American Statstical Association. 1908 bekommt sie den Schlüssel der Stadt London überreicht.

1912 stiftete das Internationale Komitee vom Roten Kreuz eine Medaille, die Florence Nightingale Medaille. Sie gilt als höchste Auszeichnung, die an ausgebildete Pflegekräfte und freiwillige Pflegekräfte verliehen werden kann. Die Medaille trägt auf der Vorderseite das Bild von Nightingale als "Dame mit der Lampe". Die Umschrift lautet: Ad memoriam Florence Nightingale 1820–1910.

Der 12. Mai, der Geburtstag der Pionierin, ist heute der Tag der Krankenpflege. Im Evangelischen Namenkalender wird sie von der Evangelischen Kirche in Deutschland mit einem Gedenktag am 14. August bedacht.

Nightingale-Schwur (Nightingale Pledge, Eid)

Es gibt den Nachtigal-Schwur, den die Krankenschwestern nach ihrem Abschluss ablegten (USA, 1893).

Am Harper Hospital in Detroit, Michigan (USA), leistet im Jahre 1893 erstmals eine Abschlussklasse von Krankenschwestern den Florence Nightingale Schur (Florence Nightingale Pledge). Angeregt hatte diesen Lystra Gretter. Heute noch wird dieser Schwur von einer Reihe von Universitäten beim Abschluss verlangt. Es handelt sich um eine modifizierte Version des hippokratischen Eids. Inhalt ist eine Erklärung der Ethik und der Prinzipien des Pflegeberufs. Es gibt inzwischen auch sehr moderne Versionen des Eids.

Polar-Area-Diagramm

Florence Nightingale erstellte auch viele Statistiken aus den gewonnen Daten. Sie gilt auch als Erfinderin des Polar-Area-Diagramms. Dabei handelt es sich um ein Kreisdiagramm, dass zur Visualisierung von zyklisch wiederkehrenden Phänomenen genutzt wird. Florence Nightingale setzte diesen Diagrammtyp 1858 ein, um einen Zusammenhang zwischen Todesfällen und Hygienebedingungen aufzuzeigen.


Florence Nightingale im Film

Es gibt eine Reihe von Filmen, die an Florence Nigthingale erinnern. Einer der ersten wurde 1912 veröffentlicht. Julia Swayne Gordon stellt in The Victoria Cross Florence Nightingale da. Bereits 1915 folgt ein weiterer Stummfilm, diesmal wird sie von Elisabeth Risdon dargestellt.

1936 erscheint The White Angel, 1951 The Lady With the Lamp.

Es folgten in regelmäßigen Abständen neue Filme, so auch 1985 und 2008.

2020 nicht nur Jahr der Hebammen und Pflegekräfte

2020 ist von der Weltgesundheitsorganisation nicht nur zum Jahr der Krankenschwestern und Hebammen erklärt worden, um Florence Nightingale, der Pionierin der modernen Krankenpflege zu gedenken, sondern auch um auf das existierenden Mangel an Pflegekräften hinzuweisen. Gerade in Deutschland ist dieser Mangel, auch in der Altenpflege, inzwischen mehr als eklatant. Und das, obwohl es sich Deutschland leisten kann (und es auch praktiziert wird), Pflegekräfte aus anderen Ländern anzuwerben.


Zitate Florence Nightingale

Herz, du verlierst sehr viel, wenn du nichts aushältst!

Kluge und humane Behandlung des Patienten ist der beste Schutz vor Infektionen.

Wahre Religion ist, keinen anderen Willen zu haben als den Willen Gottes.

Besser, zehn Mal zu sterben, in der Brandung stehend, den Weg in eine neue Welt anzukündigen, als müßig am Ufer zu stehen.

Gäbe es niemanden, der unzufrieden wäre mit dem, was er hat, würde die Welt niemals besser werden.



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