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Alexandrine Tinne

Die niederländische Afrikaforscherin Alexandrine Tinne lebte im 19. Jahrhundert. Ihre große Leidenschaft war die Erforschung des Kontinents Afrika. Als erste Frau durchquerte sie die Sahara.

Alexandrine Tinné, mit vollem Namen Alexandrine Pieternella (Petronella) Françoise Tinné, auch Alexine Tinne, wurde am 17. Oktober 1835 in Den Haag (Niederlande) geboren. Die niederländische Abenteuerin starb am 1. August 1869 in der libyschen Sahara. Alexandrine Tinne durchquerte als erste Frau die Sahara, die Afrikaforscherin und Fotografin sollte ihre letzte Expedition, die sie im Alter von 34 Jahren nicht überleben. Ihr Leben führte sie fern ab aller damaligen Konventionen.

Alexandrine Tinné Kindheit, Jugend und Familie

Der Vater von Alexandrine war der niederländische Kaufmann Philip Frederik Tinné (1772-1844), ihre Mutter die Baroness Harriet van Steengracht-Capellan (1796-1863). Harriets Vater war ein Vizeadmiral der Niederlande, Theodorus Frederik van Capellen, auch Harriet führte ein unstetes Leben und war viel auf Reisen, später in Begleitung ihrer kleinen Tochter. Alexandrine wurde zu Hause unterrichtet. Schon in ihrer Jugend zeigte sie ihre Begabung als Fotografin aber auch am Piano.

Als sie neun Jahre alt war starb ihr Vater. Das machte die zukünftige Afrikaforscherin zu eine der reichsten Erbinnen der Niederlande.

Mit ihrer Mutter verbrachte Alexandrine mehrere Monate im Jahr auf Reisen. Norwegen, Italien aber auch der nahe Osten und auch Ägypten lagen auf ihrer Route. Alexandrine träumte wohl schon damals davon, die Quellen des Nils zu entdecken. Und sie lernte Arabisch.

Alexandrine Tinne reist in den Orient

Suche nach den Nilquellen

1861, Alexandrine Tinne war gerade 21 Jahre alt, reist sie durch den vorderen Orient und lässt sich schließlich in Kario nieder. Im Januar 1862 dann der Aufbruch nach Süden, in Begleitung von Mutter, Tante und einigen Naturwissenschaftlern unternahm sie ihre erste Expedition nilaufwärts. Geplant war ein Treffen mit Johan Hanning Speke, um gemeinsam den Weg zu den Nilquellen zu erforschen. Wer am Treffpunkt nicht auftauchte war Speke, kein Grund für die Tinné-Expedition die Rückreise anzutreten. Auf den Landweg ging es durch damals kaum erforschte Regionen im Kongo. Am 30. September 1862 erreicht Alexandrine Tinné mit den anderen Expeditionsteilnehmern Gongokoro. Die Reise musste hier aus logistischen Gründen abgebrochen werden. Es fehlten Träger und Lebensmittel, dazu waren mehrere der Expeditionsteilnehmer an der Malaria erkrankt. Es folgt die Rückkehr nach Kairo.

Die Nilquelle sollte erst 1893 von den Österreichern Oscar Baumann (1864-1899) und Oskar Lenz (1848-1925) gefunden werden.
Bereits auf ihrer ersten Expedition begegnete Alexandrine Tinné Sklaven-Karawanen. Die noch junge niederländische Abenteuerin schreckte nicht davor zurück sich mit den Sklavenhändlern anzulegen. Auch kaufte sie auf dieser wie auf späteren Expeditionen Menschen frei.

Expedition zur Erforschung des Gazellenflusses

Nach ihrer Rückkehr nach Kairo begann Alexandrine schnell die nächste Expedition zu planen. Im Februar 1863 brach die Expedition auf, wieder mit ihrer Mutter und Tante, diesmal begleitet von dem deutschen Forscher Baron Theodor von Heuglin, dem Botaniker und Arzt Hermann Steudner sowie 65 Leibwächtern und 40 Maultieren, beladen mit Geschenken für die Einheimischen wie Glasperlen, Spielzeug und Kleidung, sollte es an die Erforschung des Gazellenflusses in den Sudan gehen. Auf der Reise wurde die Natur beobachtet, Alexandrine schrieb ihre Beobachtungen auch nieder. Wieder wurden Menschen aus der Sklaverei frei gekauft. Allerdings fand diese Expedition ein jähes Ende als ihre Mutter und der Arzt Hermann Steudner an einem Fieber starben. Alexandrine brach die Expedition ab und im März 1864 traf sie in Khartum ein.

Ergebnisse der Gazellenfluss-Expedition

Die Ergebnisse der Expedition wurden von Theodor von Heuglin veröffentlicht (The Tinnésche Expedition im westlichen Nilgebiet, Gotha 1865, Reise in das Gebiet des Weissen Nils, Leipzig 1869).

Tod der Mutter von Alexandrine Tinne

Für den Tod der Mutter auf ihrer letzten Expedition machte sich Alexandrine Tinne verantwortlich. Statt eine neue afrikanische Forschungsreise zu planen und durchzuführen bereiste sie erst einmal das Mittelmeer mit dem Schiff. 1867 siedelt sie von Kairo nach Algier über.

Erneute Afrika-Expedition - Die Sahara

Es dauert bis 1869 bis Alexandrine wieder eine neue Afrika-Expedition zusammenstellt. Sie hat das ehrgeizige Ziel als erste Europäerin die Sahara zu durchqueren.

Von Tripolis aus geht es tief in die libysche Sahara. In Murzuk trifft die Tinné-Expedition auf den deutschen Arzt und Forschungsreisenden Gustav Nachtigal, der ebenfalls durch die Sahara reist. Nachtigal schließt sich der Tinné-Expedition allerdings nicht an. Nun soll die Weiterreise angetreten werden, man sichert sich die Unterstützung und Geleitschutz für die weitere Reise von den Tuareg. Nie zuvor hatte es eine Europäerin gewagt, so weit in die Sahara vorzudringen.

Tod von Alexandrine Tinne

Aber die Expedition findet ein jähres Ende. In der Nähe von Murzuk kommt es unter ihren Treibern zu einen Streit. Alexandrine Tinné will schlichten und wird von einem Targi tödlich verletzt. Sie sei, hieß es, ein Opfer von Christenhass und Habgier geworden. Die Tuareg hätten bei ihr Gold vermutet, sie sei deswegen erschlagen worden. So lautete lange Zeit die offizielle Version ihres Todes.
Diese Version erzählt in etwa auch Gustav Nachtigal später, er beruft sich bei seinem Bericht vom Tod von Fräulein Tinné auf eigene Recherchen.

Bevor Alexandrine Tinné allerdings zum letzten Teil ihrer Reise aufgebrochen war, hatte sie sich von Gottlieb Adolf Krause getrennt, der damals 19jährige Gymnasiast sollte später ein Experte in der westafrikanischen Sprachforschung werden. Gottlieb Adolf Krause und der Afrikaforscher Erwin von Bary untersuchten den Tod von Alexandrine Tinné später und kamen zu einen völlig anderen Bild der letzten Tage der Forscherin. Alexandrine Tinné war das Opfer politischer Intrigen geworden. So reiste sie unter dem Schutz eines alten Anführers der nördlichen Tuareg, gegen den andere jüngere Stammesfürsten intrigierten. So stellten sie ihn als greisen Schwächling dar, der noch nicht einmal in der Lage sei, seine Schutzbefohlene sicher durch das Land zu geleiten. Und so überfielen sie die Tinné-Expedition. Später versuchten sie ihre Aktion zu rechtfertigen in dem sie Alexandrine Tinné und ihre Begleiter als christliche Spione diffamierten. Der Plan ging allerdings nicht auf. Zwar starb Alexandrine Tinné bei dem Überfall, der Mord an einer Frau, die dazu noch unter dem Schutz der Stammesgemeinschaft stand, wurde ihnen als Bruch des Ehrenkodex der Tuareg nicht verziehen.

Nachlass von Alexandrine Tinne

In Liverpool muss es eine Sammlung mit auf den Expeditionen gesammelten Stücken von Alexandrine Tinne gegeben haben, diese wurden im 2. Weltkrieg wärend eines Bombenangriffs zerstört. Eine Kirche die in Erinnerung an sie in Den Haag gebaut worden war wurde ebenfalls zerstört.

Im Nationalarchiv von Den Haag werden noch einige Papiere, auch ihre Briefe, aufbewahrt. Auch Fotographien von ihr sind noch erhalten.

Spuren in der Sahara

Es gibt einen Dokumentarfilm Spuren in der Sahara (Deutschland 2005) von Dietrich Schubert, der von dem abenteuerlichen Leben von Alexandrine Tinné berichtet und den Spuren ihrer letzten Expedition durch die Wüste folgt.

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